Die Gründung der Kommende St. Elisabeth

In der Anfangszeit des Ordens haben ihn gerade Familien aus dem mitteldeutschen Raum geprägt. Allein neun Hochmeister des Ordens stammen aus Thüringen, dem Vogtland und dem Pleißenlande, darunter der berühmte Herrmann von Salza. Darum ist es nur logisch, dass der Orden in der Heimat seiner Ordensritter zu Besitz und Privilegien kam.Bereits im Jahr 1200 ist der Deutsche Orden in Halle/Saale ansässig, 1214 in Dommitzsch an der Elbe. Die ersten Erwähnungen des Dorfes Buro stammen aus den Jahren 1258 und 1259.

Zur Verehrung ihrer Tante stifteten die Brüder des Fürstenhauses Anhalt das Dorf mit allem Zubehör dem Deutschen Ritterorden. Die enge Verwandschaft zum Hochmeister Konrad v. Thüringen (ein Onkel der fürstlichen Brüder) mag ein weiterer Grund der reichen Bewidmung gewesen sein.

Die Kommende Buro gehörte zur Verwaltungsprovinz der Ballei Ober- und Niedersachsen, die sich in etwa zwischen Bremen und Torgau, Göttingen und Belzig erstreckte.

Doch das Zusammenleben mit dem anhaltischen Fürstenhaus verlief nicht nur friedlich. 1320 kam es zu einer bewaffneten Auseinandersetzung, als unter Führung des Fürsten Albrecht II. von Anhalt 23 Ritter gewaltsam in die Kommende eindringen, plündern und rauben.

Die Fehde zwischen Orden und Fürstenhaus wurde erst 4 Jahre später unter Vermittlung des Bischofs Burchard III. von Magdeburg beigelegt. Die fürstlichen Brüder Albrecht II. und Waldemar überließen der Kommende als Wiedergutmachung die benachbarten Dörfer Klieken und Steinbeck.

Bis zum Ausgang des 14. Jahrhunderts erwirbt der Orden durch Schenkungen und Zukäufe weiteres Vermögen.

In der Zeit seiner größten Ausdehnung umfasste der Buroer Ordensbesitz etwa 1.100 Hektar Acker und Forstflächen.

Bereits im 14. Jahrhundert nimmt in ganz Deutschland die durch den Orden bewirtschaftete Fläche ab, die Dezimierung der Bevölkerung aufgrund der Pest mag ihren Anteil dazu beigetragen haben. Auch die Buroer Kommende trennt sich spätestens ab 1382 von Flächen und vergibt diese als Lehen.

 

Nach der Reformation

Offenkundig sank nach der Reformation die Lust, dem Orden beizutreten und Keuschheit, Armut und Gehorsam zu geloben, weiter, denn die personelle Besetzung der Buroer Kommende bereitete erhebliche Probleme.

Trotzdem verpflichtete man alle Komture bis zur Auflösung der Kommende im Jahre 1809 zu einem Leben in Keuschheit (Zölibat).

Es ist anzunehmen, dass Hans von Lattorff, der zur Mitte des 16. Jahrhunderts Komtur, der erste Lutheraner in Buroer Komtur war, da selbst der sächsische Landkomtur Pappenheim 1542 zum Protestantismus übergewechselt war.

Unterdessen wurden die Komture zum Diener zweier Herren. Nominell nur dem Deutschmeister unterstellt, verlangte auch der anhaltische Landesherr verschiedene Dienste. Die Ordensritter mußten nicht nur bei fürstlichen Familienfesten erscheinen, sondern auch mit ihren bewaffneten Knechten Kriegsdienste leisten.

Als Statthalter der Ballei Sachsen besiegelt sein Nachfolger Henning von Britzke 1606 die allgemein gültigen neuen Ordensstatuten und verabschiedet damit Lebensregeln für die Ordensmitglieder, die bis 1809 Bestand haben sollten. Maßgeblich ist er, der lutherischerischen Glaubens war, daran beteiligt, den Orden auf die kommende Zeit der Mehrkonfessionalität vorzubereiten. Gleichzeitig bestimmte man auch den Kampf gegen die Türken als neue Aufgabe der Ordensritter und der Ordensanwärter.

Nach dem Ausbruch des 30jährigen Krieges belasten durchmarschierende Truppen und drückende Kontributionen die wirtschaftliche Lage der Komturei.

Mitten im 30jährigen Krieg verstirbt der damalige Komtur Hans von Bieren 1634/35. Man beginnt nun, die Landwirtschaft nicht mehr selbst zu betreiben, sondern Pächtern zu überlassen. Die Verpachtung der Landwirtschaft behielt man bis zur Auflösung des Ordens 1809 bei.

Im Kriegsjahr 1637 ist der traurige Höhepunkt des Elends erreicht. Das Komturgebäude war zum Teil ohne Dach, Fenster und Schlösser fehlten, die Windmühle war zerstört, die Meierei verwüstet, der Acker unbestellt. Von den 17 Häusern der Ordensuntertanen waren nur noch 8 bewohnt, die anderen leerstehend oder sogar abgebrannt.

Der Niedergang und Auflösung der alten Ideale

Im 18. Jahrhundert ließ es sich wieder von den Einnahmen der Kommenden gut leben, denn die Zahl der Ordensmitglieder war stark zusammengeschmolzen. So gab es 1773 in den 10 deutschen Balleien lediglich noch 58 Komture, davon 5 in der Ballei Sachsen.

Der Orden war zu einer Versorgungs- und Aufenthaltseinrichtung des Adels geworden, vergleichbar mit den Domkapiteln.

Ein sächsischer Landkomtur schreibt deshalb auch:

„früher seien die Ritter des Ordens wegen da gewesen, jetzt aber sei der Orden der Ritter wegen“.

1783 wird mit dem elsässischen Adligen Waldner von Freundstein die Position des Komturs von Buro letztmalig besetzt.

26 Jahre später, 1809, wurden durch Napoleon die Kommenden des Deutschen Ordens säkularisiert. Vergeblich protestierte der Orden gegen diese Entscheidung, St. Elisabeth zu Buro wurde zur landesherrlichen Domäne und für knapp 30 Jahre auch anhaltisch-bernburgisches Landesgestüt für Pferdezucht.


Das Ende?

Die Domäne hatte bis 1945 Bestand. Im Zuge der Bodenreform wurde der letzte Domänenpächter, Philipp Bennecke, verhaftet. Er starb noch Ende 1945 in einem sowjetischen Speziallager. Als negativ besetztes Symbol für die feudale Junkerherrschaft wurde das so genannte Neue Gutshaus 1948 auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration abgerissen, die Komturei diente als Wohnhaus für bis zu 4 Familien. Seit 1984 stand das Gebäude leer und war dem Verfall preisgegeben.